{"id":1534,"date":"2021-06-06T00:00:00","date_gmt":"2021-06-05T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/wp1172840.server-he.de\/NOA\/?p=1534"},"modified":"2023-11-02T13:38:40","modified_gmt":"2023-11-02T12:38:40","slug":"noa-studie-zeigt-wirksamkeit-einer-impfung-gegen-ein-mutiertes-protein-bei-hirntumoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/neuroonkologische-arbeitsgemeinschaft.de\/mitgliederbereich\/noa-studie-zeigt-wirksamkeit-einer-impfung-gegen-ein-mutiertes-protein-bei-hirntumoren\/","title":{"rendered":"NOA-Studie zeigt Wirksamkeit einer Impfung gegen ein mutiertes Protein bei Hirntumoren"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gemeinsame Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Universit\u00e4tsmedizin Mannheim, des Universit\u00e4tsklinikums Heidelberg und des Nationalen Centrums f\u00fcr Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tumorimpfungen k\u00f6nnen den K\u00f6rper im Kampf gegen Krebs unterst\u00fctzen. Mutationen im Tumorerbgut f\u00fchren h\u00e4ufig zu krebstypisch ver\u00e4nderten Proteinen. Ein Impfstoff kann das Immunsystem der Patienten auf solche mutierten Proteine aufmerksam machen. Mediziner und Krebsforscher aus Heidelberg und Mannheim haben nun erstmals einen mutationsspezifischen Impfstoff gegen b\u00f6sartige Hirntumoren in einer klinischen Studie gepr\u00fcft. Die Impfung erwies sich als sicher und l\u00f6ste im Tumorgewebe die erw\u00fcnschten Immunreaktionen aus, wie das Team nun in der Zeitschrift Nature berichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diffuse Gliome sind meist unheilbare Hirntumoren, die sich im Gehirn ausbreiten und operativ nur schwer vollst\u00e4ndig entfernt werden k\u00f6nnen. Auch Chemo- oder Strahlentherapie sind h\u00e4ufig nur begrenzt wirksam. Die diffusen Gliome haben vielfach eine besondere Gemeinsamkeit: In \u00fcber 70 Prozent der F\u00e4lle tragen die Tumorzellen eine \u00fcbereinstimmende Genmutation. Ein identischer Schreibfehler im Erbgut, der dazu f\u00fchrt, dass im Enzym IDH1* ein einziger, bestimmter Eiwei\u00dfbaustein ausgetauscht wird. Dadurch entsteht eine neuartige Proteinstruktur \u2013 ein so genanntes Neoepitop, das vom Immunsystem des Patienten als fremd erkannt werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eUnsere Idee war, die Immunabwehr der Patienten zu unterst\u00fctzen und mit einer Impfung gezielt auf das tumorspezifische Neoepitop aufmerksam zu machen\u201c, sagt der Studienleiter Michael Platten, Direktor der Klinik f\u00fcr Neurologie der Universit\u00e4tsmedizin Mannheim und Abteilungsleiter im Deutschen Krebsforschungszentrum. Die IDH1-Mutation ist daf\u00fcr besonders geeignet: Sie tritt hochspezifisch in den Gliomen auf und kommt in gesunden Geweben nicht vor. Au\u00dferdem ist das mutierte IDH1 urs\u00e4chlich f\u00fcr die Entstehung der Gliome: \u201eDas hei\u00dft, mit einer Impfung gegen das mutierte Protein packen wir das Problem an der Wurzel\u201c, erkl\u00e4rt der Neurologe Platten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sein Team hatte bereits vor einigen Jahren den Abschnitt des IDH1-Proteins mit der charakteristischen Mutation synthetisch nachgebaut. Mit diesem mutationsspezifischen Peptid-Impfstoff lie\u00df sich bei M\u00e4usen das Wachstum von IDH1-mutierten Krebszellen aufhalten. 2019 wurde Platten unter anderem f\u00fcr diese Entdeckung mit dem Deutschen Krebspreis ausgezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ermutigt von diesen Ergebnissen entschieden sich die \u00c4rzte um Platten, den mutationsspezifischen Impfstoff erstmals in einer Phase1-Studie** bei Patienten zu pr\u00fcfen, die neu an einem IDH1-mutierten Gliom erkrankt waren (WHO Grad 3 und 4-Astrozytome). In die vom Nationalen Centrum f\u00fcr Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg und der Neuroonkologischen Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Krebsgesellschaft (NOA) unterst\u00fctzte Studie wurden insgesamt 33 Patienten in mehreren Zentren in Deutschland eingeschlossen. Sie erhielten die von Michael Schmitt, Leiter Zell- und Immuntherapie, Klinik f\u00fcr H\u00e4matologie, Onkologie und Rheumatologie des Universit\u00e4tsklinikums Heidelberg, und Stefan Stevanovic vom Institut f\u00fcr Immunologie der Universit\u00e4t T\u00fcbingen hergestellte Peptid-Impfung zus\u00e4tzlich zur Standard-Therapie. Bei 30 Patienten konnten die Immunreaktionen ausgewertet werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei keinem der Geimpften beobachteten die \u00c4rzte schwerwiegende Nebenwirkungen. Bei 93 Prozent der Patienten reagierte das Immunsystem spezifisch gegen das Impfpeptid. Das galt unabh\u00e4ngig vom genetischen Hintergrund des Patienten, der \u00fcber die wichtigen Pr\u00e4sentationsmolek\u00fcle des Immunsystems, die HLA Proteine, bestimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei einem gro\u00dfen Teil der Geimpften beobachteten die \u00c4rzte eine so genannte \u201ePseudoprogression\u201c, ein Anschwellen des Tumors bedingt durch eine Armada einwandernder Immunzellen. Diese Patienten hatten besonders viele T-Helferzellen im Blut, deren Immunrezeptoren spezifisch auf das Impfpeptid reagierten, wie Einzelzell-Sequenzierungen ergaben. \u201eWir konnten au\u00dferdem nachweisen, dass die aktivierten mutationsspezifischen Immunzellen in das Hirntumorgewebe eingewandert sind\u201c, berichtet Theresa Bunse, DKFZ, die die immunologischen Analysen f\u00fcr diese Studien koordinierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">84 Prozent der vollst\u00e4ndig Geimpften lebten noch drei Jahre nach der Behandlung, bei 63 Prozent schritt das Tumorwachstum innerhalb dieses Zeitraums nicht weiter voran. Unter den Patienten, deren Immunsystem spezifisch auf die Vakzine reagiert hatte, lebten sogar 82 Prozent f\u00fcr drei Jahre ohne Tumorprogress.<br>\u201eDar\u00fcber hinaus gehende Aussagen zur Wirksamkeit der Impfung k\u00f6nnen wir bei dieser fr\u00fchen Studie ohne Kontrollgruppe nicht machen\u201c, erkl\u00e4rt Michael Platten. \u201eDie Sicherheit und Immunogenit\u00e4t des Impfstoffs waren so \u00fcberzeugend, dass wir das Impfkonzept in einer weiteren Phase 1-Studie fortgef\u00fchrt haben.\u201c In dieser Folgestudie kombinieren die \u00c4rzte die IDH1-Vakzine mit einer Immuntherapie, einem so genannten Checkpoint-Inhibitor. \u201eCheckpoint-Inhibitoren wirken als Immun-Booster. Wir sehen gute Chancen, dass sie die Immunzellen noch deutlicher gegen die Gliome aktivieren.\u201c Diese Studie wird in Zusammenarbeit mit weiteren Zentren in Deutschland und mit Unterst\u00fctzung durch das Deutsche Konsortium f\u00fcr translationale Krebsforschung (DKTK) durchgef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem bereiten die Mediziner eine Studie der Phase II vor, mit der sie erstmals pr\u00fcfen k\u00f6nnen, ob der IDH1-Impfstoff zu besseren Behandlungsergebnissen als die Standardtherapie allein f\u00fchrt. \u201eJedes Jahr wird bei etwa 5000 Menschen in Deutschland ein Gliom diagnostiziert, etwa 1200 davon sind diffuse Gliome mit IDH1-Mutation. Bislang k\u00f6nnen wir die Tumoren bei diesen Patienten meist nur begrenzt aufhalten. Wir sehen Chancen, mit der IDH1-Vakzine eine Behandlung zu entwickeln, die diese Tumoren wirkungsvoller und langfristig zur\u00fcckdr\u00e4ngt\u201c, sagt Ko-Studienleiter Wolfgang Wick, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor der Neurologischen Universit\u00e4tsklinik Heidelberg und ebenfalls Abteilungsleiter am Deutschen Krebsforschungszentrum.<br><br>* Isocitrat-Dehydrogenase 1<br>** Neurooncology Working Group of the German Cancer Society (NOA) trial 16, ClinicalTrials.gov Identifier NCT02454634<br><br>Michael Platten, Lukas Bunse, Antje Wick, Theresa Bunse, Lucian Le Cornet, Inga Harting, Felix Sahm, Khwab Sanghvi, Chin Leng Tan, Isabel Poschke, Edward Green, Sune Justesen, Geoffrey A. Behrens, Michael Breckwoldt, Angelika Freitag, Lisa-Marie Rother, Anita Schmitt, Oliver Schnell, J\u00f6rg Hense, Martin Misch, Dietmar Krex, Stefan Stevanovic, Ghazaleh Tabatabai, Joachim P. Steinbach, Martin Bendszus, Andreas von Deimling, Michael Schmitt, and Wolfgang Wick: A vaccine targeting mutant IDH1 in newly diagnosed glioma<br>Nature 2021, DOI:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-outline btn-outline-primary btn-anchor bordered is-style-outline--1\"><a class=\"wp-block-button__link has-palette-color-2-color has-text-color wp-element-button\" href=\"https:\/\/dx.doi.org\/10.1038\/s41586-021-03363-z\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehr erfahrenI<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeinsame Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Universit\u00e4tsmedizin Mannheim, des Universit\u00e4tsklinikums Heidelberg und [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2778,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[67],"tags":[],"class_list":["post-1534","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles"],"blocksy_meta":{"styles_descriptor":{"styles":{"desktop":"","tablet":"","mobile":""},"google_fonts":[],"version":8}},"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neuroonkologische-arbeitsgemeinschaft.de\/mitgliederbereich\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1534","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neuroonkologische-arbeitsgemeinschaft.de\/mitgliederbereich\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/neuroonkologische-arbeitsgemeinschaft.de\/mitgliederbereich\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neuroonkologische-arbeitsgemeinschaft.de\/mitgliederbereich\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neuroonkologische-arbeitsgemeinschaft.de\/mitgliederbereich\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1534"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/neuroonkologische-arbeitsgemeinschaft.de\/mitgliederbereich\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1534\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neuroonkologische-arbeitsgemeinschaft.de\/mitgliederbereich\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2778"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neuroonkologische-arbeitsgemeinschaft.de\/mitgliederbereich\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1534"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/neuroonkologische-arbeitsgemeinschaft.de\/mitgliederbereich\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1534"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/neuroonkologische-arbeitsgemeinschaft.de\/mitgliederbereich\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}